Die 3 Phasen des Hartzens

Ich bin arbeitslos. Mittlerweile schon so lange, dass es mich nicht mal mehr ankotzt, sondern das ich mich dran gewöhnt habe in den Tag hineinleben. Ich sage euch: es ist schrecklich! (So schrecklich wie Ausschlafen sein kann…)

Autoriäre Rechthaberei!

Es ist nicht nur so, dass ich von zu Hause schon genug Druck bekomme eine Arbeit zu suchen. Nein, ich bin auch noch von meinen Elteren finanziell abhängig. Schon wieder. Du bist gezwungen deinen ganzen Stolz mit der Frage nach finanzieller Unterstützung über Bord zu werfen. Das ist so wie wenn du allen Belehrungen und Klagen über deine Leben reumütig Recht gibst und es dir Leid tut die unendliche Weisheit deiner Erziehnungsberechtigten jemals in Frage gestellt zu haben. Den du kannst ja schließlich nicht behaupten, dass sich deine Existenz mit dem mühsam erarbeiteten provokant légeren Lebensstil bewährt hat. Das Schöne allerdings, wenn man nichts mehr hat, ist, dass man nicht mehr viel verlieren kann.

Die 3 Phasen des Hartzens

Das Schlimme ist aber nicht, dass ich nichts zu tun habe, sondern dass ich nicht will nichts zu tun zu haben und es trotzdem so ist. Also eine Versagenserklärung an einen selbst. Das Gefühl sich selbst in dieser Welt als Verlierer wahrzunehmen ist unglaublich belastend. Zumindest in der ersten Zeit, das lässt Stück für Stück nach. Die erste Phase ist das man sich versteckt und es cool findet ausschlafen zu können. Man gibt soagr noch an, als Tunichtgut den ganzen nur scheinbar, dass zu tun was man möchte. Mit Prahlereien will man die eigene Unsicherheit überspielen. Als das eines Tages nicht mehr klingt und man an der Schulter einer mehr oder weniger nahestehenden Person anfängt loszuheulen, bricht Phase zwei an. Die melanonische selbstbemitleidungsphase. Man macht, dass was man schon die ganze Zeit heimlich innerlich getan hat nun unter Einbezug der Öffentlichkeit. Man erkennt Phase zwei daran wenn der oder die  Betroffene verzweifelt um Bestätigung bei seinen Mitmenschen und Freunden durch Fragen wie:

  1. Bin ich wirklich gesellschaftsunfähig ?
  2. Warum genüge ich nicht den Ansprüchen des Arbeitsmarktes?
  3. Bin ich bescheuert oder die Welt ?

sucht. Es gibt meist etwas geheucheltes Interesse an der Gefühlslage eines Arbeitslosen falls auf der Partygerade Flaute herrscht und höchstens ein paar lauwarme Worte wie jeder Topf findet seinen Deckel und so ein Spaß. Wenn du dann schon so lange kein Beschäftigung hast, dass selbst die neugierigen Verwandten schon aufgegeben haben bei den Familienfeiern zu fragen, bist du bereits im Endstadium angekommen. DIE SCHEIßEGAL Einstellung. Niemand hat mehr Erwartungen an dich, nicht einmal du selbst. Du bist am Boden angekommen und hast dich mit der Situation abgefunden. Du findest das arbeitslos sein gar nicht mehr schlecht.

Das Arbeit so etwas emotional tiefgreifendes ist, hätte ich bis dahin nicht gedacht, als ich nach meinem Studium sprichwörtlich ins Nichts gefallen bin. Ich habe mir mit meinem mäßigem Bachelor und meinen mäßigen Betriebswirtschaftskills zumindest einen mäßigen Job erhofft, aber hat sich nicht bewahrheitet. Als zum Abschlussball alle schon in festen Händen waren, in mehrer Hinsicht, konnte ich nur mit vagen in der zukunftliegendenden Gesprächsterminen prallen. Das war genauso uncool wie es sich auch anhört! Mein ohnehin angeknackstes Selbstwertgefühl ist absolut flöten gegangen…und tut es immer noch.  Eine Tätigkeit kann ja auch Erfüllung sein. Einer der letzten Sätze den mir mein verstorbener Opa gesagt hat war:

„Meine Arbeit war mein Leben.“

Leere Taschen, Langeweile und keine Anerkennung

Für das was man nicht tut, kann man auch keine Anerkennung bekommen. Und Anerkennung, dass hab ich gerade für mich bemerkt, ist mir ein wichtiger Motivator jeden Tag etwas zu tun. Ebenso rar sieht es mit dem Geld aus. Am Wochende muss man seine Freunde bei der Frage Festival, Kino oder Disco mit einem „beim nächsten Mal“ abspeisen. Zumindest kann man, wenn man weiß wo man sucht ein paar coole Nebenjobs kennenlernen. Im Prinzip schon ganz schön nice, den ganzen Tag mit chillen zu verbringen, aber wenn man das eigentlich nicht vorhat ist man ziellos und enttäuscht am Ende des tages nichts gemacht zu haben.

Mein Fazit

Abgesehen davon, dass meine Reflexion noch dem aktuellen Zustand entspricht, ist die Arbeitslosigkeit etwas gewesen was mich an meine persöhnlichen Grenzen gebracht hat. Ich will diese Erfahrung nicht missen, aber ich freue mich wenn es vorbei ist!

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